Thinkpad T430 – Review

Hallo zusammen,

mein T430 ist angekommen. Es handelt sich um diese Kampfsau. Und hier folgt der Test.

Erster Eindruck

Lenovo hat die Verpackung deutlich verbessert. Wo in den alten Kisten die Netzteile ziemlich lieblos herumflogen, hat man nun eine zweiteilige Packung entworfen. Diese ist so gestrickt, dass „oben“ im Paket ein flaches Sub-Paket liegt, in dem Netzteil und Akku untergebracht sind. Dieses kann man herausnehmen, um dann an den Laptop darunter zu gelangen, der wie gewohnt in Styroporhalterungen gepackt ist. Diese Verpackung ist ein Meilenstein im Vergleich zu dem alten Gemurkse! Nachdem ich den Laptop herausgenommen habe, ging es erstmal an die Steckdose und ans Installieren.

Installation

Getting started. Das ist garnicht so einfach. Weil der Laptop ja sehr jung ist, verfügt Windows 7 über keinerlei Treiber, um WLAN oder LAN eigenständig zu nutzen. Man muss also erst an einem anderen PC die WLAN-Treiber besorgen und manuell übertragen. Dann installiert man System Update, und danach soll ja eigentlich alles von selber gehen.

System Update. Hat man das geschafft, muss man sich dann doch nochmal über Lenovo ärgern. System Update findet nämlich gerade mal die Hälfte der Treiber – peinlich! Dem System Update fehlten elementarste Dinge, z.B. der CardReader-Treiber, der Grafiktreiber, der LAN-Treiber, der Power-Manager und vieles mehr. Hier wäre ein bisschen Systempflege seitens Lenovo dringend empfehlenswert, denn fehlende Treiber bei System Update finden sich in fast allen Serien.

Äußere Werte

Gehäuse. Das T430 ist ein schöner Laptop mit einer feinen Deckeloberfläche (ein bisschen wie beim X301 auf dem Deckel). Mein X220 fühlt sich deutlich plastik-mäßiger an. Das macht das Gerät wertiger und wirkt edel. Darüber hinaus gibt es keine „Sollbruchstelle“ im Deckel wie beim X220, sondern der Deckel ist aus einem Stück gearbeitet und dürfte deswegen auch stabiler und verwindungssteifer sein. Beim einseitigen Öffnen des Deckels habe ich nur ganz leichte Verwindungen beobachtet.

Display. Das Display ist auf den ersten Blick ganz okay. Ich habe Makrobilder aus 5cm Entfernung geschossen, die keinen wesentlichen Unterschied in der Gitterstruktur gegenüber einem X220 IPS zeigen. Im direkten Helligkeitsvergleich schneiden X220 und T430 nebeneinander ähnlich ab. Allerdings ist natürlich der viel bessere Schwarzwert des X220 IPS nicht zu vertuschen. Generell fallen freilich die Farben beim IPS auch viel besser aus. Dass das X220 IPS einen geringfügigen Stich ins Rötliche hat und das T430 TN-typisch blaustichig ausfällt, verschärft den Eindruck, dass Bilder beim X220 viel bunter und lebendiger dargestellt werden. Gleichwohl ist das Display im T430 farblich subjektiv deutlich besser als z.B. bei meinen verflossenen T400s, beim X201i oder beim X301; man hat nicht ständig das Gefühl, die Farben seien „irgendwie komisch“, blaustichig oder blass.

Tastatur. Über die Tastatur ist ja so einiges geschrieben, gestritten und gelästert worden. Mein Eindruck ist zwiespältig. Der Anschlag ist hervorragend; die Tastatur gibt so gut wie nirgends nach und wirkt so stabil wie ehedem die berühmten NMB-Tastaturen. Selbst mit intensivem Anschlag klappert nichts. So soll es sein. Das Chiclet-Design hingegen hat seine Tücken. Vom Ideapad S10e kannte ich solche Chiclets, die bündig in den Tastaturboden greifen, sodass man keinen Dreck unter die Tasten bringen konnte. Das ist beim T430 nicht so. Es bestehen deutliche Zwischenräume von im Schnitt ca. 1mm zwischen Taste und Tastaturbodenrand, sodass allmähliche Dreckansammlung vorprogrammiert ist. Wer gerne mit dem Laptop vor der Nase frühstückt oder in der Nase bohrt, wird mit der Zeit feststellen, dass das mit dieser Tastatur ein echtes Problem wird. Und noch was: Man schaut beim Arbeiten bei normaler Sitzposition ständig unter die F-Tastenreihe drunter – man kann dort also den Anschlagmechanismus bestaunen. Ob das mal auf die Dauer gutgeht?

Dem Drainagesystem ist es wohl geschuldet, dass der Tastaturboden vorne ca. 2mm Spalt zum Palmrest aufweist. Darunter sitzt offenbar die Drainagewanne, und die greift bis unters Palmrest. Das mag für Flüssigkeitenkatastrophen besser sein, aber für meine Begriffe sieht das schlecht aus und wirkt unfertig.

Noch ein Detail zur Tastatur: Sie ist ganz leise! Das ist gegenüber dem X220 und meiner Desktoptastatur ein himmelweiter Unterschied und sehr angenehm.

Boxen. Die Boxen sind LAUT. Während man beim X220 kaum einen Film zu zweit schauen kann, ohne dass jedes Geräusch den Dialog übertönt, geht beim T430 die Lautstärke bis auf ein ziemlich ätzend lautes Niveau. Zugleich werden die Boxen, wenn sie laut gestellt werden, ziemlich unangenehm und knatschig-verzerrt. Auf mittleren und geringen Lautstärken sind sie OK, aber nicht berühmt. Im T500 hat man z.B. seinerzeit vergleichsweise viel bessere Boxen verbaut. Mit der Software „Dolby Advanced Audio Suite“, die von Lenovo in einer verbuggten Version in der Treibermatrix angeboten wird (im Netz findet man aber Ersatz), wird der Klang nur geringfügig besser, vor allem aber noch lauter.

Innere Werte

Hier kann ich mich wahrscheinlich kurz fassen. Die Spezifikationen sind online unter dem Link oben nachzulesen. Im Gerät steckt ein Intel i5-3320M, ein sauschneller Prozessor, den ich nicht manuell gebenchmarkt habe.

Grafik. Die Intel HD4000 bringt im 3DMark06 stolze 4739 Punkte auf die Waage – das ist so viel wie die diskreten Grafikkarten vergangener Generationen. Für viele kleinere Spiele (und fast alles, was nicht Shooter ist) genügt das schon. Aber in diesem T430 steckt noch mehr, nämlich eine Nvidia NVS 5400M. Diese Karte schlägt aus dem 3DMark06 fantastische 10004 Punkte heraus – das liegt im Bereich der DIY-Vidock mit meiner alten Desktop-HD5750 und ist uneingeschränkt Gaming-geeignet. Was damit so geht, werde ich im Laufe des Abends noch ausprobieren.

Die meisten Spezis werden eine Anzeige für die Umschaltaktivität von Optimus haben wollen. Es gibt im Nvidia-Systemcenter eine kleine Anzeige für die Taskleite; die ist leider nicht besonders hilfreich, denn die meisten Szenarien, in denen man die Nvidia-Karte betreibt, passieren im Fullscreen. Hier wäre eine andere Anzeigevariante netter.

Beide Werte im 3DMark06 sind übrigens mit einem 8GB-Riegel entstanden, d.h. OHNE Dual-Channel. Nachdem Dual-Channel beim X220 eine Leistungssteigerung in riesiger Dimension brachte, muss ich hier gelegentlich noch einen Test nachliefern.

Optimus und Hitzeemissionen. Ich habe eine Reihe von Temperatur- und Kühlungstests mit dem T430 und 3DMark06 gemacht, um zu prüfen, wie heiß die jeweiligen Grafikprozessoren das Gerät laufen lassen. Dabei sind ein paar interessante Sachen rausgekommen. Es hat sich herausgestellt, dass Programme, die die GPU häufig ansprechen (z.B. Temperaturüberwachung oder ein geöffneter Power-Manager) unter Optimus eine sehr hohe Last und Temperatur verursachen. Lässt man diese Tools deaktiviert, ist alles normal und gut. Aktiviert man sie, erhöht sich der Stromverbrauch um fast 10W und die Akkulaufzeit sinkt um gut die Hälfte. Hier wäre eine bessere Implementierung der Treiber sehr ratsam.

Festplatte. Die integrierte Festplatte macht einen relativ guten Eindruck. Sie ist im Vergleich mit einem SSD-getriebenen PC natürlich immernoch langsam, aber längst nicht so langsam, wie man das befürchten könnte. Im Vergleich mit gängigen Notebook-HDDs fühlt sie sich schnell an, aber das mag an der frischen Installation liegen. Gebenchmarkt habe ich sie nicht.

Akkulaufzeit. Gegenüber Sandy Bridge hat sich wenig verändert: Mit dem 56Wh-Akku sind Laufzeiten von 4-5 Stunden im Arbeitsbetrieb, bis zu 7 Stunden bei äußerst sparsamem Verhalten möglich.

Lüfterverhalten. Dieses Kapitel muss ich leider vollständig überarbeiten, weil sich ergeben hat, dass Optimus beim T430 offenbar Ärger macht. Seit ich Optimus deaktiviert habe und im BIOS fest auf die Intel HD 4000 geschaltet habe, sind die CPU-Temperaturen unter Last und im Idle um gut 10-15°C gefallen. Dadurch ist ein passiver Betrieb möglich. Die CPU bleibt konstant zwischen 45-50°C (und das bei aktuell 26°C Raumtemperatur!). Den Lüfter schalte ich per TPFC ab 60°C zu – seit 30 Minuten surfe ich vom Lüfter unbehelligt.

Was allerdings bleibt, sind die miserablen Abstufungen des Lüfters. Er beginnt mit 3400RPM zu arbeiten – deutlich hörbar – und die darüberliegenden Stufen mit 3800RPM und mehr sind dann schon in ruhigen Umgebungen klar störend. Hier wäre ein abgestufteres Verhalten deutlich besser.

Sonstiges

Zunächst mal: Löblich, dass es das HMM wieder längst gab, als ich mein Gerät bekam.

Lenovo hat nun etwas ganz Merkwürdiges gemacht. Beim T430 hat das Displaybezel keine Schrauben. Sehr merkwürdig, fand ich, und suchte an den Seiten. Auch hier keine Schrauben. Ich suchte sogar an der Unterseite – auch nichts. Die Lösung: Das Displaybezel ist gar nicht geschraubt. Ich vermute, es ist geklebt (das HMM schweigt sich aus, zeigt nur, dass man „ziehen“ muss, um es abzumachen). Das gab es schon früher (nämlich in der T60/61/400/500-Serie), damals war geschraubt UND geklebt. Die Erfahrung mit dem Geklebten zeigt, dass das eine überproportionale Bezelzerstörungsrate produziert, weil man sehr grob sein muss, um das Bezel dann vom Deckel zu bekommen. Offenbar hat der Schreiber des HMM das auch nicht ganz verstanden: Er schreibt nämlich, beim Wiedereinbau müsse man das Bezel „mit Schrauben befestigen“ – ja, wo nur?

Ein Gedanke zu „Thinkpad T430 – Review

  1. Martin

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!
    Ich hätte noch eine Frage bezüglich der Grafikkarte: Lässt sich mit GPU-Z evtl. herausfinden, ob es sich um die 40nm oder 28nm-Version handelt? Leider habe ich im Netz dazu nichts konkretes finden können.

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